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Weshalb du es nicht schaffst mit dem Rauchen aufzuhören: wie Rauchen dein Gehirn verändert hat II

Rauchen lässt einen Teil deines Gehirns schrumpfen – dadurch fällt es dir mit der Zeit immer schwerer, dem Impuls zu rauchen zu widerstehen! 

In Teil I habe ich beschrieben, wie Rauchen das Belohnungssystem in deinem Gehirn verändert, wodurch du nach einer Weile nicht mehr rauchst, um dich gut zu fühlen – sondern nur noch, um dich nicht schlecht zu fühlen. Rauchen hat aber nicht nur drastische Auswirkungen auf die Chemie des Dopamin-Systems. Es verändert auch die Größe einzelner Hirnregionen, wodurch sich die Kommunikation im Gehirn verändert. 

Wie Rauchen die Denkprozesse beeinflusst

In unserem Gehirn kommunizieren rund 90 Milliarden Nervenzellen miteinander. Diese Nervenzellen haben unterschiedlichste Funktionen und sind in verschiedenen Bereichen des Gehirns angesiedelt. Damit das Gehirn als Gesamtsystem optimal funktionieren kann, versucht es nun, diese verschiedenen Bereiche in einem stabilen Kommunikations-Gleichgewicht zu halten. Keiner der Bereiche sollte quasi die Oberhand gewinnen, denn alle sollen gleichermaßen gehört werden!

Wesentliche Bereiche, die unsere Entscheidungen, und damit unser Handeln prägen, sind das Limbische System (LS) und der Präfrontalcortex (PFC):

  • Das LS repräsentiert den emotionalen Teil des Gehirns: Es steuert deine Gefühlswelt, das Triebverhalten und das Belohnungssystem (Dopamin!). Hier entstehen unbewusst die Impulse zu unserem Handeln. Es strebt nach dem unmittelbar Angenehmen, nach Spass und Freude, und versucht Unangenehmes zu vermeiden.
  • Der PFC hingegen ist der zugehörige Gegenspieler, der rationale Teil des Gehirns: Er reguliert die emotionalen Impulse und steuert bewusst das Verhalten, da er sich auch über die Konsequenzen des Handelns im Klaren ist. Der PFC sorgt dafür, dass wir nicht jedem Reizimpuls automatisch nachgeben, sondern eine rationale, reflektierte und vernünftige Entscheidung treffen.

Wie funktioniert das nun in dem oben beschrieben „Kommunikations-Gleichgewicht“ der verschiedenen Gehirn-Bereiche? Bei unserer beiden Kandidaten hier läuft das wie folgt: Das LS schreit zum Beispiel “ICH WILL JETZT EIN EIS ESSEN UND ZWAR SOFORT“, und der PFC hält dagegen mit „DU HAST DIR DOCH VORGENOMMEN KEIN EIS MEHR ZU ESSEN, DENN DU WOLLTEST ABNEHMEN, UND DAS WÄRE AUCH BEREITS DAS SECHSTE EIS DIESE WOCHE, DAS IST GENUG UND JETZT IST RUHE IM KARTON“. Die beiden Gehirnbereiche LS und PFC verfolgen also ganz offensichtlich unterschiedliche Ziele! Sie sind daher im ständigen Gerangel miteinander – der eine versucht den anderen zu dominieren. Letztendlich entscheidet aber der PFC, ob Du dem Verlangen nachgibst oder widerstehst.

Warum du als Raucher dem Impuls zu Rauchen nicht widerstehen kannst

Das LS wird als „emotionaler Teil“ des Gehirns durch die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin stimuliert. Da Rauchen den Dopaminspiegel geradezu explodieren lässt (s. Teil I), führt dies zu einer ständigen Überstimulation des LS. Dadurch bekommt das Gehirn Schwierigkeiten, das Kommunikations-Gleichgewicht der verschiedenen Bereiche aufrecht zu erhalten. Durch dauerhaftes Rauchen gewinnt daher das emotionale LS die Oberhand und schwächt den rationalen PFC. Der Teil des Gehirns, in dem der PFC sitzt, schrumpft bei Rauchern messbar! Das Zusammenspiel der Gehirnstrukturen verändert sich dadurch nachhaltig, und es fällt dir daher mit der Zeit immer schwerer, dem Impuls zum Rauchen bewusst zu widerstehen.

Darüber hinaus verändert das Rauchen auch deine Urteilsfähigkeit in Bezug auf das Rauchen. Je länger du rauchst, desto weniger ist dein Gehirn in der Lage, eine bewusste Entscheidung gegen das Rauchen zu treffen. Was bedeutet das nun für Dich? Das es sich gar nicht lohnt, es zu versuchen, weil Du es ohnehin nicht schaffen wirst? Natürlich nicht! Aber es bedeutet, dass es alles andere als einfach wird. Und weniger als 5% schaffen es, mit dem Ansatz “Ich höre morgen einfach auf mit dem Rauchen” dauerhaft davon los zu kommen – weil sich das Gehirn bereits zu stark verändert hat.

Die gute Nachricht aber ist: wenn Du es ernst nimmst, kannst Du es schaffen. Die oben beschriebenen Veränderungen sind reversibel, nach 3-6 Monaten ohne Zigaretten erreicht das Gehirn wieder seinen Normalzustand.