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Der Grund warum Du rauchst: wie Rauchen dein Gehirn verändert hat I

Rauchen verändert das Belohnungssystem in deinem Gehirn: Nach einer Weile rauchst du nicht mehr, um dich gut zu fühlen – Du rauchst nur noch, um dich nicht schlecht zu fühlen! 

Wenn Du diesen Post liest, dann hast Du wahrscheinlich schon mindestens einmal versucht, mit dem Rauchen aufzuhören – und bist gescheitert. Ich selbst habe fünf Jahre lang zahlreiche Versuche unternommen, und habe jedes einzelne mal wieder aufgegeben. Aber weshalb bist du gescheitert?

Was war der Grund, dass du es nicht geschafft hast, mit dem Rauchen aufzuhören?

Dir war doch klar, dass du abhängig bist und dass das Aufhören bestimmt nicht einfach werden würde. Deshalb hast du ja lange darüber nachgedacht und die Entscheidung am Ende auch ganz bewusst getroffen, oder? Du warst hochmotiviert und warst dir ganz sicher, dass du dem Verlangen nach der Zigarette nicht nachgeben wirst. Du würdest standhaft bleiben und es durchziehen!

Nun, es kam anders…. Nach einer Weile ohne Zigaretten, als dein Nikotinspiegel im Keller war, wurde dir erst so richtig bewusst, dass der Entzug eine richtig unangenehme Sache ist. Deine Laune hat sich verschlechtert. Du wurdest nervös und gereizt. Du hast zuerst versucht durchzuhalten, wolltest die guten Vorsätze nicht sofort über Bord werfen. Dir kein Scheitern eingestehen. Aber irgendwann – vielleicht schon nach einigen Stunden, vielleicht nach ein paar Tagen – kam dir die Idee mit dem Aufhören doch irgendwie nicht mehr so passend vor. Zumindest für den Moment. Das Ganze wollte dann vielleicht doch nochmals gut durchdacht werden… und da hast du deinen wohl überlegten und bewusst gefassten Entschluss aufzuhören einfach auf einen späteren Termin verschoben. Und weiter geraucht. Die erste Zigarette war erleichternd, der gescheiterte Versuch schnell im Geiste verdrängt…. Aber nach einer Weile des Rauchens, vermutlich nach ein paar Tagen, hast du gemerkt, dass dies auch nicht zufriedenstellend ist. Denn eigentlich wolltest Du doch aufhören zu rauchen! 

Weshalb du deine Nikotinabhängigkeit unterschätzt:

Nikotin ist leider nicht vergleichbar mit anderen Stimulanzien wie z.B. Koffein. Du kennst vermutlich den Satz “Ich kann keinesfalls ohne meinen Morgenkaffee”. Das ist natürlich Unsinn, denn man muss es nur wollen – vielleicht bist du am ersten Tag ohne Kaffee nicht ganz so schnell wach, aber grundsätzlich geht es auch ohne. Leider verhält sich das beim Nikotin gänzlich anders: Nikotin ist Suchtmittel, das mit harten Drogen zu vergleichen ist – mit Heroin, Kokain, Amphetamin. Starker Tobak, was? Diese Suchtmittel und das Nikotin der Zigaretten haben eine Gemeinsamkeit, und das ist ihre Funktionsweise im Gehirn, genauer gesagt ihre Wirkung auf den Botenstoff Dopamin, das sog. “Glückshormon”: Das Nikotin im Zigarettenrauch lässt die Dopamin-Ausschüttung im Gehirn dramatisch ansteigen. Dein Körper nutzt Dopamin, um dich zu belohnen. Immer, wenn du etwas tust, das dich glücklich macht – z.B. Sport, Musik, Hobbies, Sex –  schüttet dein Gehirn auf natürliche Weise Dopamin aus. Rauchen lässt deinen Dopamin-Spiegel allerdings innerhalb von Sekunden um den Faktor 100 explodieren! Deshalb führt Rauchen am Anfang auch zu einem positiven Gefühl – es ist angenehmen und berauschend, denn das Gehirn wird mit Belohnungsstoffen regelrecht überflutet. Je öfter und länger du nun rauchst, desto mehr wird daraus eine chronische Überflutung des Gehirns mit Dopamin! 

Auf die dauerhafte Dopamin-Überflutung durch das Rauchen reagiert dein Gehirn mit zweierlei Anpassungen:

  1. es reduziert die natürliche Ausschüttung der Dopamin-Menge
  2. es reduziert die Anzahl der Dopaminrezeptoren.

Es befindet sich dadurch zum einen weniger Dopamin im System, und zum anderen trifft dies auf eine geringere Anzahl an “Empfangseinheiten” für Dopamin.

Durch das Rauchen hast du das Belohnungssystem deines Gehirns aus dem Gleichgewicht gebracht! Was passiert nun?

Die Maßnahmen, die dein Gehirn in Folge der chronischen Dopamin-Überflutung ergriffen hat, führen leider dazu, dass du nun ein ziemlich schiefes Domamin-Gleichgewichthast. Denn zum einen steigt die Schwelle, ab der das Belohnungssystem überhaupt aktiviert wird und du  ein positives Gefühl wahrnimmst. Zum anderen benötigst du eine höhere Dopamin-Ausschüttung, um den gleichen “Wohlfühleffekt” wie früher zu erzielen! Wenn du nun allerdings versuchst, mit dem Rauchen aufzuhören, also das Belohnungssystem nicht künstlich stimulierst, dann gerät dein Dopaminhaushalt in eine Situation der Unterversorgung: es treten negative Empfindungen, also „Entzugserscheinungen“auf, verursacht durch den Mangel an Dopamin.

Rauchen verändert also das Belohnungssystem in deinem Gehirn. Das ist der Grund, weshalb dir das Rauchen nach einiger Zeit auch keine positiven Erlebnisse mehr verschafft. Ganz im Gegenteil: wenn du aufhörst zu rauchen, dann verzichtest du nun eben nicht einfach nur auf ein paar positive Gefühle. Nein, es treten plötzlich bisher nicht gekannte, negative Empfindungen auf!

Rauchen dient nach einer Weile also nur noch dazu, negative Empfindungen zu vermeiden.